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Dem inneren Kritiker Einhalt gebieten

Es macht wenig Sinn, mit gedrückter Stimmung im Büro zu sitzen, weil schon wieder Montag ist oder der Fußballverein schlecht gespielt hat.
Claudia Hupprich | 15.07.2013

"Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ - Reinhold Niebuhr

Es gibt vermutlich eine Menge Dinge im Leben, über die man sich ärgern kann. Aber die Empörung über den Verkehrsrowdy, der einen auf der Autobahn rechts überholt hat, ändert auch nichts an der Situation. Gleiches gilt für den Verdruss aufgrund der Verspätung des Fliegers am Gate.

Wie viel sinnvoller wäre es hingegen, gelassen die Dinge hinzunehmen, die man tatsächlich nicht ändern kann und sich auf das zu konzentrieren, was man verändern kann? Die Frage, ob man einen Einfluss auf die aktuelle Wetterlage, den heutigen Wochentag oder die Spielergebnisse eines Fußballvereins hat, ist schnell beantwortet. Nicht immer ist die Antwort auf die Frage nach der Beeinflussbarkeit jedoch so eindeutig. Denn man stört sich manchmal nicht nur an etwas, das außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegt, sondern nimmt zusätzlich noch Dinge als gegeben hin, die durchaus von einem selbst verändert werden könnten.

Dies kann sich dann in den unterschiedlichsten Überzeugungen ausdrücken:

- „Ich bin noch nie ein guter Redner gewesen.“

- „Mit meiner Vorgesetzten kann man sowieso nicht vernünftig reden.“

- „Was ich anpacke, geht schief.“

- „Das schaffe ich nie, ich war schon in der Schule ein schlechter Lerner.“

- „Das ist sinnlos, da renne ich gegen eine Wand.“

Viele Menschen haben eine genaue Vorstellung davon, was sie vermeintlich können und nicht können, was sie müssen und nicht müssen, was sie dürfen und nicht dürfen. Diese eigenen Überzeugungen sind jedoch nicht immer hilfreich, sondern verhindern häufig, dass persönliche Ziele erreicht werden.

Und damit diese hinderlichen Überzeugungen auch immer griffbereit sind, gibt es eine Art innerer Stimme, oft auch als innerer Kritiker bezeichnet, die einen regelmäßig daran erinnert, was sein darf und was eben nicht.

Dieser innere Kritiker kommentiert oft wenig hilfreich das jeweilige Denken und Handeln aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Er ermahnt, er klagt an, er jammert, er setzt unter Druck und sorgt im inneren Dialog für schlechte Stimmung.

Von der von Reinhold Niebuhr oben genannten Gelassenheit, dem Mut und der Weisheit nicht die geringste Spur.

Stattdessen hindert der innere Kritiker uns daran, bestimmte Gegebenheiten gelassen hinzunehmen oder mutig die Themen zu verändern, auf die man in Wirklichkeit Einfluss hat.

Denn der innere Kritiker hat ein weites Feld an Möglichkeiten, in dem er agieren kann: Egal ob es beispielsweise darum geht, eine wichtige Präsentation überzeugend vor einem großen Publikum zu halten, die schon lange gewünschte Beförderung zu erhalten oder den Sprung in die eigene Selbstständigkeit zu wagen. Wenn der innere Kritiker nicht wohlwollend unterstützt, dann kann aus ihm ein unangenehmes Sabotageprogramm werden und das jeweilige Ziel in weite Ferne rücken. Und das gilt es zu erkennen, zu ändern oder auch ganz abzuschalten.

Das Buch „Wuselmanagement. Wie Sie Selbstsabotage vermeiden und den inneren Kritiker für sich gewinnen“ benutzt als Metapher für diese inneren Sabotageprogramme den Begriff des Wusels. Da ist zum Beispiel der Zwergenmacher, der jede erdenkliche Gelegenheit nutzt, um den Verbleib in der eigenen Komfortzone sicherzustellen. Seine Strategie dazu ist allerdings nicht besonders nett, denn er lässt Menschen sich klein und geringwertig fühlen.

Mit von der Partie ist auch der Dunkelseher, der gerne mögliche Tragödien und potenzielle Katastrophen in den düstersten Farben heraufbeschwört und der hinter jeder Ecke eine wahrscheinliche Bedrohung vermutet.

Und selbstverständlich darf auch der Druckmacher nicht fehlen. Im positiven Sinne stellt er eine durchaus hilfreiche Triebfeder dar und kann uns dazu ermutigen, die eigenen Grenzen zu erweitern. Oft schießt er jedoch über dieses Ziel weit darüber hinaus und erzeugt einen Druck, der Menschen im wahrsten Sinne des Wortes erdrücken kann.

Was wäre diese Gruppe von Wuseln ohne den Feedbackjunkie und die Heulboje? Ersterer kann ohne Feedback nicht leben, es stellt in gewisser Weise sein Lebenselixier dar. Und die Heulboje findet in den unterschiedlichsten Kontexten immer einen Grund zum Jammern und liebt dies zugleich auch. Auch wenn sie das selbstverständlich nie zugeben würde.

Mit der Metapher des Wusels für die verschiedenen Formen der Selbstsabotage lässt sich besser verstehen, warum man sich im Alltag manchmal mental selbst ein Bein stellt und wie man damit aufhören kann. Denn es gibt nicht nur eine Menge Wusel, sondern auch eine Menge Möglichkeiten dem Treiben der mentalen Wusel Einhalt zu gebieten.

Mit freundlicher Genehmigung von Business Village Verlag.